Was Google und Facebook alles wissen, verwenden Sie nun auch. Und schon
geht das Geschrei los. Da kann ich nur sagen "Guten Morgen,
Internet!"
Google führt Benutzerprofile zusammen
Das Google alles sammelt, was sich im Internet sammeln lässt, ist seit
wann bekannt? Gefühlt 1850, da es Google da aber noch nicht gab muss
es irgendwann nach der Google-Gründung 1998 gewesen sein. Und alles,
was da zusammengetragen wurde, wurde auch verwendet. Das stört
eigentlich niemanden besonders, denn nur so kann Google als Suchmaschine
Ergebnisse liefern. Aber um diese Daten geht es jetzt auch gar nicht.
Nun ist Google schon seit langem mehr als nur eine Suchmaschine. Mit
Angeboten wie Google Calendar, Google Docs, Google+ erschließen sich
Google weitere Informationsquellen, die man bisher zumindest offiziell
nicht ausgewertet hat. Zum 1. März sollen nun die
Datenschutz-Bestimmungen
geändert
und die einzelen Benutzerprofile zusammengeführt werden.
Außerdem fließen die privaten Informationen in die
Suchergebnisse der einzelnen Benutzer ein. Google verspricht sich davon
bessere Ergebnisse, und zumindest auf dem ersten Blick erscheint mir das
plausibel.
Wem das nicht gefällt, der hat Pech gehabt. Ein "Selber
Schuld!" kann ich mir da nicht verkneifen. Google hat nur die
privaten Informationen, die Sie dort freiwillig abgeliefert haben. Dass
die irgendwann auch ausgewertet werden können, war ja wohl klar, oder?
Und zumindest noch hat Google nicht vor, diese Daten an Dritte
weiterzugeben. Sie werden weder verkauft noch gehen sie in die
Suchergebnisse anderer Benutzer ein (was ja sowieso keine besonders gute
Idee wäre, da die ja gerade personalisiert werden sollen). Und
gegen
zielgerichtete Werbung
haben Sie doch nichts einzuwenden, oder? (*)
Etwas problematisch ist es mit den Daten, die Google sich gekauft hat,
indem andere Anbieter aufgekauft wurden. Nicht jeder, der vor den Verkauf
an Google 2006 Daten bei YouTube hochgeladen hat, hätte das auch bei
Google getan. Aber das ist ein altbekanntes Problem: Unternehmen werden
nun mal aufgekauft, und gerade im Web 2.0 sind es doch die Benutzer und
ihre Daten, die den eigentlichen bzw. sogar einzigen Wert eines
Unternehmens darstellen. Oder denkt wirklich irgend jemand, Google hat
Youtube aufgekauft, um billig an ein paar Server zu gelangen? Google ging
es einzig und allein um die Daten und Benutzer. Mit sowas muss man immer
rechnen, wenn man seine Daten irgendwo hoch lädt.
Youtube hätte auch von einem anderen Unternehmen gekauft werden
können, am Grundproblem ändert das nichts: Wenn Sie Daten irgend
wo hochladen oder veröffentlichen, müssen Sie damit rechnen, dass
die auch ausgewertet und zumindest für Marketingzwecke verwendet
werden. Zumindest, wenn Sie ein kostenloses Angebot nutzen. Niemand hat
etwas zu verschenken - und i.A. ist dann nicht das kostenlose Angebot die
eigentliche "Ware" des Unternehmens, sondern die Benutzer und ihre Daten
sind es. Aber dazu komme ich gleich noch mal.
(*) Was Werbung betrifft: Die nervt mich i.A. schnell - und damit
landen die Werbenden bei mir in einer mentalen Blacklist. Mir dann noch
was zu verkaufen, wird schwierig. Falls ich den Eindruck gewinne, ich
soll manipuliert werden, erst recht.
Facebook führt Timeline für alle ein
Facebook führt
in den nächsten Wochen
die
Timeline
(auf deutsch: Chronik) zwangsweise für alle Benutzer ein. Darin
werden alle Informationen angezeigt, die der Benutzer je bei Facebook
eingestellt hat. Erwartungsgemäß sind die Datenschützer
dagegen, aber auch bei den Facebook-Nutzern kommt die Timeline nicht gut
an: Bei einem Poll von Sophos
antworteten
von 4110 befragten Facebook-Nutzern 51,29% mit "The Facebook Timeline
worries me" und 32,36% mit "I don't know why I'm still on
Facebook". Gut möglich, dass die zwangsweise Einführung der
Timeline das Fass zum Überlaufen bringt, denn immerhin können
jetzt alle Benutzer mal genau sehen, was Facebook alles über sie
weiß. Immer dran denken: Alles, was Facebook über Sie
weiß, haben Sie selbst Facebook verraten. Oder ihre Freunde oder
sogar Dritte, mit denen Sie eigentlich gar nichts weiter zu tun haben.
Aber dagegen kann man leider nichts machen.
Ich habe einmal Spam von Facebook bekommen, weil jemand, bei dem ich etwas
über eBay gekauft habe, Facebook an sein Adressbuch gelassen hat.
Woraufhin ich eine Einladung bekam, mit doch seine Fotoalben bei Facebook
anzusehen. Warum sollte ich? Ach so: Da ich für eBay eine separate
E-Mail-Adresse verwende, ließ sich das sehr leicht nachvollziehen.
Ich würde Ihnen jetzt gerne erklären, wie Sie ihr Facebook-Profil
löschen. Da ich da aber wohlweislich nie mitgemacht habe, hatte ich
dieses Problem nicht. Aber Graham Cluley von Sophos hat jetzt die
Konsequenzen gezogen und Facebook verlassen und seine Überlegungen und
Erfahrungen in einem
Gastbeitrag
im "BBC College of Journalism Blog" veröffentlicht.
Facebook lässt Sie nicht so leicht aus seinen Klauen, und ein Abatz in
Graham Cluleys Beitrag könnte u.U. für Verwirrung sorgen:
"Even then, it's not quite over. Facebook gives you 14 days of
'grace' to reconsider your decision. During that time you must not log
into Facebook, or 'Like' any pages, or sign up to any third-party sites
using your Facebook credentials."
Auch wenn es im ersten Moment anders klingt, bedeutet "you must
not" auf deutsch ungefähr "Sie dürfen niemals, unter
gar keinen Umständen". Zumindest in diesem Fall, allgemein
reicht "sie dürfen nicht" als Übersetzung.
Facebook will an die Börse
Laut Wall Street Journal
könnte Facebook am Mittwoch die für den Börsengang
nötigen Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht einreichen.
Angestrebt wird eine Bewertung von 75 bis 100 Milliarden Dollar (57 bis 76
Milliarden Euro). Für was? Natürlich für die Benutzer und
die angehäuften Daten.
Zum Vergleich: Siemens ist ca 67 Milliarden Euro wert und Volkswagen etwa
60 Milliarden Euro, und die haben immerhin Werke, handfeste Produkte und
Patente zu bieten, und SAP mit einem Wert von ca. 56 Milliarden Euro kann
immerhin außer seinem Kundenstamm ein weit verbreitetes Programm und
entsprechende Patente vorweisen. Und was hat Facebook außer seinen
Benutzern und deren Daten? Ein paar Rechenzentren mit Hardware, die im
Falle eines Falles nichts mehr wert ist, eine Software, die außer
Facebook selbst niemand braucht, und evtl. ein paar Patente. Und
natürlich die Benutzer und deren Daten, und die dürften dabei den
größten Wert haben.
Ob es dann so schlau war, den Benutzern jetzt mit der Timeline die Augen zu
öffnen? Falls die in Scharen flüchten, dürfte der
Börsenwert gewaltig sinken. Denn auf die Benutzerzahlen und das
Ansehen von Facebook dürften die Investoren besonders sorgfältig
achten.
Carsten Eilers
In der vorigen Woche schrieb ich ja über die von Kaspersky als "Schadsoftware" angeprangerte App in den App Stores von Google und Apple. Generell bin ich immer noch der Ansicht, dass es sich bei dieser App nicht wirklich um Schadsoftware hand
Aufgenommen: Jul 16, 10:31